Donnerstag, 5. November 2009

November Blues

Drei hintereinander folgende Wochenenddienste in der Ambulanz und fünf Tag-12er innerhalb der vergangenen Woche. Rotgeränderte Augen, von der trockenen Heizungsluft, die zur Frage herausfordern: Hast du geweint?!?
Der Frager wartet die Antwort nicht ab und schlurft weiter.

Fordernde, unzufriedene Patienten, die jede Behandlung in Frage stellen und aus Prinzip in der Notaufnahme erscheinen. Am Vormittag sind die Wartezeiten meist länger.

Grantige, aufgebrauchte Ärzte, die schon lang vergessen haben, weswegen sie diesen Beruf gewählt haben. Ein Samstagsdienst heißt, dass sie zwei Wochen durcharbeiten. Sie beneiden das Pflegepersonal um deren Dienstform.

Im Lift ein gerade zum-Vater-gewordener Mann, eingefallene Wangen, Drei-Tage-Bart, müder Blick. War wahrscheinlich eine anstrengende Geburt.

Eine kränkelnde Kollegin, die eigentlich ins Bett gehört, aber sich in die Arbeit schleppt, weil sie das Team nicht „hängen lassen“ will. Lieber steckt sie alle an.
Eine andere ist wirklich krank, sie fällt also für einen 12er und zwei Nachtdienste aus. Es ist mühsam, für diese Dienste einen Ersatz zu finden.

Am freien Tag, den ich so dringend gebraucht hätte, muss ich einspringen, dann stellt sich heraus, dass wenig los ist und ich kann um elf Uhr vormittags heimgehen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte in der Früh ausschlafen können.
Im Kühlschrank daheim nur abgelaufene Milch, zwei verschrumpelte Karotten und einige Käse-Ecken, aber einkaufen gehen freut mich nicht. Fertig-Pizza.
Ich überlege, ob ich als Schwester auf einem Kreuzfahrtsschiff anheuern soll. In der Karibik. Blöd nur, dass ich immer seekrank werde.

Auf der Station begegne ich KollegInnen mit dem Tunnelblick: gerade aus schauen, nur nicht zu viel wahrnehmen. Keine zusätzlichen Informationen, denn die haben nirgendwo Platz. Heimlich wünschen sie sich die Schweinegrippe, um der Anstalt fern bleiben zu können. Kein Wunder, dass sich so wenige dagegen impfen lassen.

Draußen scheint die Novembersonne. Eine Ärztin sagt: Diese Herbstsonne, das ist doch das Letzte!! Und dreht die Jalousien herunter. Sie fühlt sich geneppt von ihr, weil sie etwas vortäuscht, was sie nicht halten kann.
Gedanken sind frei, aber meine sind trüb und verhangen. Dem November angepasst. Leider scheint die Sonne durchs schlierige Fenster, weil ich die Jalousien wieder hochgezogen habe. Das ergibt irgendwie ein unstimmiges Bild.

Aber morgen -für morgen da ist richtig schlechtes Wetter angesagt. Kalter Wind und Regen bis Schneeregen.
Da passt dann wieder alles zusammen. Das Innere zum Äußeren.
Mich fröstelt.

DGKS Christine

Samstag, 31. Oktober 2009

Aus der Arbeit.

Gestern - manchmal..
Eingesprungen -
Schülerin - sehr schwierig ..
Neue Kollegin - sehr bedacht -
Verantwortung -
Belastung - will und wie weit kann ich sie tragen?
Dann geh ich nach dem ofiziellen Dienstschluß nach Hause -
Finde Abends nur schwer Ruhe ...
Ist im Kathetersackerl auch wirklich Urin drinnen ??
Funktioniert die Informationsweitergabe ??

Heute - Tag in trägem Dasein.

Wir stemmen uns mit viel viel Kraft gegen all die einstürzenden Unzulänglichkeiten. Beginnend bei den Eigenen. Immer wieder bedarf es früh morgens oder spät Abends, egal ob zum Tag oder Nachtdienstbeginn einer Überwindung während der Dienstübergabe all das auf und anzunehmen was da auf einen zukommt. Die eigenen Probleme sind spätestens in der Gardarobe mit in den Spind zu hängen.
Umso weniger das gelingt, umso mehr Vermischung geschieht, umso mehr Vermischung da ist- umso mehr merken es die Bewohner - manchmal, so wie vorgestern z.B.: sagte eine Bewohnerin, die selbst meine Hilfe benötigt, sie mache sich um "meine Gesundheit" sorgen. Da bin ich dann dankbar verwundert, daß es auch Menschen gibt die mich sehen...
L.G.Rudolf.

Freitag, 30. Oktober 2009

Aus meinem Ambulanztagebuch

Ein Montag Nachmittag im September

Hausverstand ade

„Ich hab schon Aloe vera drauf getan.“
Ein Hundebiss. Die junge Dame, deren Spaniel sie gestern in den Mittelfinger gebissen hat, hält uns den geschwollen Mittelfinger entgegen. Der ist überwärmt, gerötet und schmerzt. Es sieht nicht so aus, als wäre Aloe vera hier das Mittel der Wahl, auch wenn es sonst für Vieles ein probates Mittel ist.
Die Dame beäugt kritisch die Fingerschiene, die ich über den Verband anwickle.
„Was… aber… ja, kann ich da morgen schwimmen gehen?!“
Hausverstand ade.
„Wollen Sie Ihre Keime ein bisschen verteilen? Oder neue dazubekommen?“
Sie wirkt verärgert und bereut schon, hergekommen zu sein, das sehe ich ihr an. Aber wenn der Finger so aussieht, muss er ruhiggestellt werden.
„Und das Antibiotikum - muss ich das wirklich nehmen? Geh – das brauch ich nicht!“
Die Dame gehört zu jenen Menschen, die glauben, sie schauen kurz bei uns vorbei und gehen dann geheilt wieder hinaus. Hokuspokus, simsalabim. Ohne Eigenverantwortung, ohne selber etwas dazu beitragen zu müssen.

16.00
Ein Hobbygärtner in Raum vier. Er hat in das Schneidblatt des Rasenmähers gegriffen, eine klaffende Wunde zwischen Daumen und Zeigefinger, auf die er ein Stück braunes Papier presst.
„Es hat einfach nicht aufgehört zu bluten! Und meine Frau ist nicht da…“
Aha, und allein findet er das Verbandszeug nicht. Er ist dabei, seine Blutgruppe im ganzen Raum zu verteilen, weil er immer wieder das Papier entfernt und nachschaut, ob’s noch blutet. Seine Latzhose ist schon ganz versaut. Ich muss den Mann beinahe nötigen, sich hinzulegen oder wenigstens zu setzen. Er will die Kontrolle behalten und wählt den Hocker.
Prüfend bewegt er Finger und Daumen. „Schaun’s her, ich kann alles bewegen. Die Sehnen haben nix.“
Ist eh super. Aber was veranlasst die Rasen-mähenden Menschen so oft, in diese Messer zu greifen?
„…war ja schon ausgeschaltet… Ich wollte das Messer herausnehmen, reparieren, irgendwas hat sich verklemmt...“
Und dann müssen SIE repariert werden. Ich richte alles her zur Wundversorgung, und der Mann legt sich nun doch hin.
Durchs Fenster fällt das goldene Licht der tiefstehenden Nachmittagssonne und zaubert Reflexe auf die blanken Instrumente. Sie strahlt heller als die OP-Lampe.

Ein junger Mann, Unfall mit der Flex. Ein Stückchen Eisen hat sich in die Hand zwischen Daumen und Zeigefinger gebohrt. Sieht man schwarz auf weiß im Röntgen.
Der diensthabende Assistenzarzt J. schneidet die verschmutzte Wunde aus, entfernt den Splitter, näht zu, gibt eine Lasche hinein, damit sie nicht vorschnell zuheilt und Sekret abfließen kann.
Entfernung der Lasche in zwei Tagen.
Der Jüngling liegt in seiner Arbeitsmontur auf der Liege, blinzelt in die Sonne, vom Profil seiner knöchelhohen Arbeitsschuhe rieseln Sand und Lehm.
Mit der Tetanusauffrischung warten wir, er sieht zu Hause im Impfausweis nach, wahrscheinlich ist er noch geschützt aus der Schulzeit, und der Tetanusschutz besteht zehn Jahre. Nach derzeitigem Wissensstand.
Impfgegner behaupten, die Gefahr durch einen Autounfall zu sterben sei ungleich größer als durch Wundstarrkrampf. Das kann man nicht so einfach sehen, denke ich.
Wir wissen ja nicht, wie viel Menschen erkranken bzw. sterben würden, wäre die Bevölkerung nicht so durchgeimpft.

„Die Hand tut weh… da…“ Der Zwölfjährige hat sich beim Trampolinspringen unglücklich angeschlagen. Nichts gebrochen, Glück gehabt. Beim Trampolinspringen gibt’s oft ärgere Verletzungen.
Ein anderer kommt mit dem Roten Kreuz. Kleiner Cut am Hinterkopf, im Freibad ausgerutscht, noch herrscht Badewetter, der Bademeister hat die Rettung gerufen.
Der Junge kriegt drei Klammern in die Kopfhaut getackert, und das relativ lange, von Blut verklebte Haar zu reinigen dauert länger als die übrige Prozedur.

DGKS Christine

Samstag, 17. Oktober 2009

Zwischen den Nachtdiensten.

3 x bin ich nun zwischen den Dämmerungen herumpflegend tätig gewesen. Das Hirnkastl ist außer seinem Rhytmus. Um 4h früh mußt du hunertprozentig funktiontüchtig jeden Einzelnen der mir an die 70 anvertrauten Bewohner besuchen. Manche sind nochmals frisch zu machen. Injektionen und Nüchterntabletten sind zu verabreichen. Lagern. Manche schlaflose Bewohner geistern schon herum...

Und heute sitzt ich herum und .... will etwas tun und bin ziemlich blockiert.
Mir ist schon klar, daß ich nicht der einzige Nachtdienst tuende bin...
L.G.Rudolf.

Freitag, 16. Oktober 2009

Es knarrt im System

Diese Woche habe ich wieder eine Menge Hausbesuche gemacht bei Menschen, die Pflegegeld bekommen. Meine Aufgabe ist es einerseits zu kontrollieren, ob die PflegegeldbezieherInnen gut versorgt sind, aber ich bin auch dazu aufgerufen zu beraten, wenn dies notwendig ist. Sehr oft bin ich für die Menschen seit langer Zeit die erste Person, die sie fragt wie es ihnen geht in der Pflegesituation.

Was mir in letzter Zeit auffällt, ist die Zunahme der Beschwerden. Die betroffenen Familien berichten von Erlebnissen, die mich als Pflegeperson und Teil dieses Gesundheitssystems äußerst betroffen machen und die uns zum Nachdenken bringen sollten.

Ein paar Beispiele:

Eine Tochter erkennt, daß ihre Mutter einen Schlaganfall hat, packt sie zusammen und bringt sie ins Krankenhaus, weil sie denkt das würde schneller gehen als die Rettung zu rufen. Im Krankenhaus auf einer internen Station lässt man sie 3 Stunden warten, obwohl die Tochter mehrmals auf den vermuteten Schlaganfall hinweist und sagt ihr dann, daß sie falsch wäre und die Mutter auf die Neurologie müsste. Es wird die Rettung gerufen, die eine Stunde braucht um zu kommen. Die Patientin kommt 4 Stunden nach dem Schlaganfall endlich auf der Neuro an, dort schimpft dann der Arzt mit der Tochter, daß die Mutter 2 Stunden zu spät gekommen wäre für eine optimale Rehabilitation.

Eine 85 jährige schwer gehbeeinträchtigte Frau wird auf einer Geriatrie unter die Dusche gesetzt. als niemand kommt ruft sie um Hilfe, doch niemand reagiert. Sie friert nackt unter der Dusche, sie hat Angst. Nach einer Stunde wird sie entdeckt und die Krankenschwester meint: Wir haben sie wohl vergessen.

Eine 92 jährige Frau nach einer Hüft-OP wird von der Rettung nach Hause gefahren. Beim Aussteigen aus dem Auto stürzt sie und bricht sich den Oberschenkelhals auf der anderen Seite.

Ein 78 jähriger Mann stürzt in einem Krankenhaus in der Nacht auf dem Weg zur Toilette. Er wird morgens gefunden.

Alles Beispiele, die mir nur in dieser Woche erzählt wurden.
Gestern rief mich eine pflegende Angehörige nach unserem Gespräch an uns meinte: "Ich möchte mich bedanken bei Ihnen für das menschliche Gespräch. Wissen Sie, man erlebt so viel in dieser Situation, man fühlt sich oft wie das Letzte und wir haben uns vor dem Termin mit ihnen gefürchtet. Das Gespräch mit Ihnen stand aber in einem wohltuenden Kontrast und hat uns richtig gut getan."

Diese Worte tun mir natürlich gut, keine Frage. Wer freut sich nicht über Lob. Aber ich frag mich auch, wie kann es passieren, daß es in unserem Gesundheitssystem zu knarrt. Alle Beteiligten geben ihr Bestes- davon gehe ich immer aus.

Was ist da los, daß Betroffene vergessen werden, fallen gelassen werden, sich wie das Letzte behandelt fühlen? Wir haben doch angeblich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt!
Was ist da nur los? Nimmt irgendjemand wahr, daß es knarrt, sucht jemand nach Ursachen? Unternimmt irgendjemand etwas?

Wann geht es eigentlich in erster LInie wieder um Qualität, statt um Effizienz?

Sonja, DGKS

Samstag, 10. Oktober 2009

Gespräche mit Hermine

Ein Gespräch, sagt Hermine, setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.

Warum bist du Krankenschwester geworden?
1. Teil

Ach Hermine – warum tut man das, was man tut? Warum wird der Tischler Tischler?

Weil er gern mit Holz arbeitet. Oder den Betrieb übernehmen muss.

Eben. ICH arbeite gern mit Menschen.

Na, da hättest du ja auch Verkäuferin oder Friseurin werden können…

Das hat mich aber nicht interessiert! Das wäre mir zu… zu wenig gewesen…

Dein Streben ging nach was Höherem?

Nein, nicht Höheres…diese Berufe sind ja wichtig und äußerst sinnvoll! Im Gegenteil! Ich wollte eine Arbeit, die TIEFER geht. Die nicht nur an der Oberfläche kratzt…

Dich interessiert also das, was UNTER der Oberfläche verborgen ist?

Jaaa…

Und das hast du schon als Teenager gewusst?! Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt, meine Liebe?

Weiß nicht… irgendwie… ich hab da aus dem Bauch heraus entschieden. Ich bin mit meiner Freundin einfach drauflos, und wir haben uns im Krankenhaus erkundigt, ob sie uns brauchen als Ferialpraktikanten. Unsere Eltern haben nichts gewusst davon.

Na, die waren wohl erfreut darüber? Dass ihr endlich was arbeitet?

So ungefähr, ja… wir haben uns da in den Ferien voll hineingesteigert, volles Engagement.

Wolltest du eine Arbeit, wofür du… geliebt wirst? Einen höheren Wert kriegst? Dass dann so ein Kranker sagt: Sie sind einzigartig, Schwester, was täte ich nur ohne Sie?

Geh, Hermine… das würde ja heißen, ich wäre von schwachen, kranken, bedürftigen Menschen abhängig!

Soso. Und das gefällt dir nicht, wenn einer sagt: Sie sind wahrlich ein Engel !

Hermine, ich bin doch nicht Florence Nightingale!

Wer ist das jetzt wieder?

Na, das ist der Krankenpflegerin-Archetyp sozusagen…. Obwohl… Mir fällt ein…

Jaaa?

… da gab es in der Nachbarschaft ein Mädchen, acht Jahre älter als ich, die lernte Kinderkrankenschwester, und die haben wir alle angehimmelt, die konnte so gut mit uns Kindern umgehen. Ich wollte so werden wie sie.

So so, du wolltest auch einmal so angehimmelt werden?

Na, du weißt schon, unbewusst halt. Ich war ja noch ein Kind damals.

Ich sehe, diese Person hat den Grundstein gelegt…Und warum bist du in der Pflege geblieben? Grundsteine werden ja meist einige Male verschoben…

Ich wollte eh am Anfang gleich wieder weg! Da hat man mich als junge Schülerin zu einer Sterbenden hineingesetzt, zum Mund befeuchten, und wenn die ihre Augen aufmacht, dass jemand da ist. Eigentlich ein menschlicher Ansatz. Hat mich aber damals nur erschreckt.

Tja, oft ist die Zukunft schon da, bevor man ihr gewachsen ist… Aber du bist dabei geblieben?

Ja. Ich habe gemerkt, dass es befriedigend ist, mit Menschen zu arbeiten, von denen unmittelbar etwas zurückkommt. Oder für sie, je nachdem. Meine Oma hat immer gesagt: mach das, Kind, da kriegst du immer eine Arbeit.

Stimmt ja auch.

Mhm. Aber manchmal…

Was?

… da frage ich mich, ob ich das ein ganzes Berufsleben lang aushalte. Manchmal bin ich zu nah an Menschen dran, da geht alles zu tief, da werd‘ ich hinab gezogen, ein richtiger Sog entsteht da, und ich muss aufpassen, dass ich nicht im Strudel untergehe.

Fortsetzung folgt
DGKS Christine

Gespräche mit Hermine

Warum bist du Krankenschwester geworden?
2. Teil

Verstehe… und wie schützt du dich davor? Vor dem Hinab-gezogen-werden?

Wir können Supervision beantragen. Oder ich wechsle in einen anderen Bereich, die Möglichkeit besteht ja meistens. Dann passt es wieder. Eine Zeitlang. Ich unternehme auch viel abseits meiner Arbeit… Trotzdem frage ich mich…

Hm?

… ob ich nicht doch am Helfersyndrom leide?

Wieso: leidest du?

Na ja. Ich muss immer schauen, dass nichts auf der Strecke bleibt. Meine Kreativität, meine Vitalität, Privatleben, du weißt schon. Das hängt immer auch davon ab, ob genug Personal da ist.

Das Helfersyndrom hat so ein Image, das finde ich mehr als komisch! Wo wären wir, gäbe es keins? Ha? Die Caritas, die SOS Kinderdörfer, amnesty, der WWF, Ärzte ohne Grenzen, das Rote Kreuz, die Freiwillige Feuerwehr - alle diese Institutionen könnten brausen gehen ohne Menschen mit Helfersyndrom!

Hihihi, du hast die Bergrettung vergessen!

Ich habe hier VIELE vergessen, weil sie mir auf Anhieb gar nicht alle einfallen! Ein bisschen davon schadet doch nicht !

Du baust mich auf, Hermine.

Helfersyndrom heißt doch auch, dass etwas einen Sinn HAT und einen Sinn SPENDET! Warum sollst du nicht auch ein wenig davon haben?

Also – vielleicht war schlussendlich meine Hauptmotivation, in die Pflege zu gehen, das Helfersyndrom?

Vergil glaubt, man ist in der Lage etwas zu tun, weil man glaubt, dazu in der Lage zu sein. Weißt du, was ich glaube?

Sag´s mir, Hermine.

Eine Umfrage vor etlichen Jahren hat ergeben, dass mehr als ein Drittel aller österreichischen Männer sich eine Krankenschwester zur Frau oder Freundin wünschen!

Pah! Das hast du aus der Kronenzeitung!

Die von diesen Männern gelesen wird…

Das sagt doch gar nix! Die wollen doch nur bemuttert werden, Hermine!

Nein! Pflege macht erotisch, glaub mir! Die Kerle wollen eine fürsorgliche, mitfühlende, geile Krankenschwester zu Hause. Denk nur an den „Krankenschwesternreport“.

Haha, Hermine, das ist ewig her… und geil sind wir nur, wenn wir keine Nachtschichten, langen Dienste, Überstunden,… machen. Also selten genug.

Ihr wisst über alle Körperfunktionen Bescheid, und übers Leben schlechthin –

Das wissen z.B. Ärztinnen auch…

Ja, aber die sind nicht so nah am Leben dran, die sind zu akademisch. Ihr seid geheimnisvoll.

Waaas sind wir???

Du hörst richtig, mein Kind: Pflegende umgibt ein Geheimnis! In eurer Macht liegt es, ob sich ein Kranker wohl fühlt oder nicht, ob er gut schläft, ob er sich Essen eingeben lässt oder nicht, du stehst neben ihm, wenn er gackst. Das sind existenzielle Dinge, die berühren das Innerste, und wenn sich da ein Mensch berühren lässt, dann teilst du mit ihm ein Geheimnis!

Hermine, glaubst du wirklich, ich bin DIESER Gründe wegen in der Pflege tätig? Weil Pflege GEHEIMNISVOLL ist und EROTISCH macht?!

Gibt’s vielleicht nicht auch einen etwas profaneren Grund?

Was hast du da jetzt speziell im Auge?

Eher im Ohr, du hast vorhin deine Oma erwähnt… Kriegst du am Ende auch BEZAHLT für deine Arbeit, ha?

Ja, stell dir das vor!

Na, dacht‘ ich’s mir doch…

DGKS Christine

Dienstag, 6. Oktober 2009

Geschlechtssensible Pflege ein Thema?

Als Selbständige muss man seine Angebote ja laufend weiter entwickeln. Dazu brauchts regelmäßiges Innehalten, nachschauen was angenommen wird, was keinen interessiert, darüber nachdenken warum das eine genommen wird und das andere sichtlich kein Thema ist.

Ich hab Seminare im Angebot, die werden super gekauft. Und dann gibts Seminare, die hab ich nur noch im Angebot weil sie MIR so wichtig wären...und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß doch vielleicht irgendwann jemand sagt: Das ist genaus das, was ich wollte.

Als Selbständige ist es wichtig immer wieder Neues zu entwickeln und dabei zu hoffen, daß man ein Thema aufgreift, das eben dann irgendwann interessiert und - richtig!- gekauft wird.

Im Moment frag ich mich, ob das Thema "Geschlecht" in der Pflege eine Rolle spielt. Naja, eine Rolle spielt es sicher, ABER sehen das auch die Pflegeleitungen und PflegekollegInnen so.

Ich vermute ja, daß wir hier blinde Flecken haben und zwar gewaltige blinde Flecken. Wann immer ich die Gelegenheit habe mir Pflegedokumentationen anzusehen, fällt mir auf, daß die Lebensaktivität "Als Mann/ Frau leben" kaum ausgefüllt ist. Übrigens- man findet hierzu auch keine Fachliteratur!
Gähnende Leere also. Warum nur?

Was hat es mit dieser Lebensaktivität auf sich, daß wir hier nix zu sagen oder zu erheben haben?
Derzeit überlege ich mir hierzu ein Seminar zu entwickeln. Nur- interessiert das dann jemanden? Hmmm.....

Was sagt Ihr dazu? Thema ja oder nein? Was fällt euch bei dieser Lebensaktivität leicht, was schwer? Könnt ihr damit überhaupt was anfangen? Oder denkt ihr euch: Wir haben echt andere Sorgen!

Für Euer Feedback wäre ich euch sehr dankbar!

Grüße
Sonja, DGKS

Mittwoch, 30. September 2009

Stolz!

Ich weiss schon, angeblich stinkt Selbstlob.
Haben wir doch alle, vor allem wir Mädchen, sooo oft gehört.
Zu Bescheidenheit und Zurückhaltung sollten wir erzogen werden.
Ist meistens vortrefflich gelungen!
Ich bin davon überzeugt, daß in diesem kleinen Satz der Grund dafür liegt, warum Pflege (immer noch ein Frauenberuf) kaum für sich Öffentlichkeitsarbeit macht. Was sagen denn die anderen, wenn ich mich so wichtig mache????

Sieht man ja an diesem Blog. Viele kommen um zu lesen- und bitte nicht missverstehen, ich freu mich über die vielen Besuche hier im Pflegeblog.
Aber mitschreiben?? Nööööööööööö.....

Aber ICH pfeif auf den Satz "Selbstlob stinkt", mögen die Menschen dazu sagen was sie wollen. Deshalb bin ich MEGASTOLZ auf mein eben erschienenes Interview in der Salzburger Strassenzeitung Apropos .
Interessiert? Hier der Link zum Interview: http://is.gd/3OEzG

Sonja, DGKS

Ich bin dabei!

In Bälde werde ich mich am Pflegeblog beteiligen!
Freu mich schon auf den Austausch.

Raquel, DGKS

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