Gespräche mit Hermine
Ein Gespräch, sagt Hermine, setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.
Warum bist du Krankenschwester geworden?
1. Teil
Ach Hermine – warum tut man das, was man tut? Warum wird der Tischler Tischler?
Weil er gern mit Holz arbeitet. Oder den Betrieb übernehmen muss.
Eben. ICH arbeite gern mit Menschen.
Na, da hättest du ja auch Verkäuferin oder Friseurin werden können…
Das hat mich aber nicht interessiert! Das wäre mir zu… zu wenig gewesen…
Dein Streben ging nach was Höherem?
Nein, nicht Höheres…diese Berufe sind ja wichtig und äußerst sinnvoll! Im Gegenteil! Ich wollte eine Arbeit, die TIEFER geht. Die nicht nur an der Oberfläche kratzt…
Dich interessiert also das, was UNTER der Oberfläche verborgen ist?
Jaaa…
Und das hast du schon als Teenager gewusst?! Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt, meine Liebe?
Weiß nicht… irgendwie… ich hab da aus dem Bauch heraus entschieden. Ich bin mit meiner Freundin einfach drauflos, und wir haben uns im Krankenhaus erkundigt, ob sie uns brauchen als Ferialpraktikanten. Unsere Eltern haben nichts gewusst davon.
Na, die waren wohl erfreut darüber? Dass ihr endlich was arbeitet?
So ungefähr, ja… wir haben uns da in den Ferien voll hineingesteigert, volles Engagement.
Wolltest du eine Arbeit, wofür du… geliebt wirst? Einen höheren Wert kriegst? Dass dann so ein Kranker sagt: Sie sind einzigartig, Schwester, was täte ich nur ohne Sie?
Geh, Hermine… das würde ja heißen, ich wäre von schwachen, kranken, bedürftigen Menschen abhängig!
Soso. Und das gefällt dir nicht, wenn einer sagt: Sie sind wahrlich ein Engel !
Hermine, ich bin doch nicht Florence Nightingale!
Wer ist das jetzt wieder?
Na, das ist der Krankenpflegerin-Archetyp sozusagen…. Obwohl… Mir fällt ein…
Jaaa?
… da gab es in der Nachbarschaft ein Mädchen, acht Jahre älter als ich, die lernte Kinderkrankenschwester, und die haben wir alle angehimmelt, die konnte so gut mit uns Kindern umgehen. Ich wollte so werden wie sie.
So so, du wolltest auch einmal so angehimmelt werden?
Na, du weißt schon, unbewusst halt. Ich war ja noch ein Kind damals.
Ich sehe, diese Person hat den Grundstein gelegt…Und warum bist du in der Pflege geblieben? Grundsteine werden ja meist einige Male verschoben…
Ich wollte eh am Anfang gleich wieder weg! Da hat man mich als junge Schülerin zu einer Sterbenden hineingesetzt, zum Mund befeuchten, und wenn die ihre Augen aufmacht, dass jemand da ist. Eigentlich ein menschlicher Ansatz. Hat mich aber damals nur erschreckt.
Tja, oft ist die Zukunft schon da, bevor man ihr gewachsen ist… Aber du bist dabei geblieben?
Ja. Ich habe gemerkt, dass es befriedigend ist, mit Menschen zu arbeiten, von denen unmittelbar etwas zurückkommt. Oder für sie, je nachdem. Meine Oma hat immer gesagt: mach das, Kind, da kriegst du immer eine Arbeit.
Stimmt ja auch.
Mhm. Aber manchmal…
Was?
… da frage ich mich, ob ich das ein ganzes Berufsleben lang aushalte. Manchmal bin ich zu nah an Menschen dran, da geht alles zu tief, da werd‘ ich hinab gezogen, ein richtiger Sog entsteht da, und ich muss aufpassen, dass ich nicht im Strudel untergehe.
Fortsetzung folgt
DGKS Christine
Warum bist du Krankenschwester geworden?
1. Teil
Ach Hermine – warum tut man das, was man tut? Warum wird der Tischler Tischler?
Weil er gern mit Holz arbeitet. Oder den Betrieb übernehmen muss.
Eben. ICH arbeite gern mit Menschen.
Na, da hättest du ja auch Verkäuferin oder Friseurin werden können…
Das hat mich aber nicht interessiert! Das wäre mir zu… zu wenig gewesen…
Dein Streben ging nach was Höherem?
Nein, nicht Höheres…diese Berufe sind ja wichtig und äußerst sinnvoll! Im Gegenteil! Ich wollte eine Arbeit, die TIEFER geht. Die nicht nur an der Oberfläche kratzt…
Dich interessiert also das, was UNTER der Oberfläche verborgen ist?
Jaaa…
Und das hast du schon als Teenager gewusst?! Ist das nicht ein bisschen weit hergeholt, meine Liebe?
Weiß nicht… irgendwie… ich hab da aus dem Bauch heraus entschieden. Ich bin mit meiner Freundin einfach drauflos, und wir haben uns im Krankenhaus erkundigt, ob sie uns brauchen als Ferialpraktikanten. Unsere Eltern haben nichts gewusst davon.
Na, die waren wohl erfreut darüber? Dass ihr endlich was arbeitet?
So ungefähr, ja… wir haben uns da in den Ferien voll hineingesteigert, volles Engagement.
Wolltest du eine Arbeit, wofür du… geliebt wirst? Einen höheren Wert kriegst? Dass dann so ein Kranker sagt: Sie sind einzigartig, Schwester, was täte ich nur ohne Sie?
Geh, Hermine… das würde ja heißen, ich wäre von schwachen, kranken, bedürftigen Menschen abhängig!
Soso. Und das gefällt dir nicht, wenn einer sagt: Sie sind wahrlich ein Engel !
Hermine, ich bin doch nicht Florence Nightingale!
Wer ist das jetzt wieder?
Na, das ist der Krankenpflegerin-Archetyp sozusagen…. Obwohl… Mir fällt ein…
Jaaa?
… da gab es in der Nachbarschaft ein Mädchen, acht Jahre älter als ich, die lernte Kinderkrankenschwester, und die haben wir alle angehimmelt, die konnte so gut mit uns Kindern umgehen. Ich wollte so werden wie sie.
So so, du wolltest auch einmal so angehimmelt werden?
Na, du weißt schon, unbewusst halt. Ich war ja noch ein Kind damals.
Ich sehe, diese Person hat den Grundstein gelegt…Und warum bist du in der Pflege geblieben? Grundsteine werden ja meist einige Male verschoben…
Ich wollte eh am Anfang gleich wieder weg! Da hat man mich als junge Schülerin zu einer Sterbenden hineingesetzt, zum Mund befeuchten, und wenn die ihre Augen aufmacht, dass jemand da ist. Eigentlich ein menschlicher Ansatz. Hat mich aber damals nur erschreckt.
Tja, oft ist die Zukunft schon da, bevor man ihr gewachsen ist… Aber du bist dabei geblieben?
Ja. Ich habe gemerkt, dass es befriedigend ist, mit Menschen zu arbeiten, von denen unmittelbar etwas zurückkommt. Oder für sie, je nachdem. Meine Oma hat immer gesagt: mach das, Kind, da kriegst du immer eine Arbeit.
Stimmt ja auch.
Mhm. Aber manchmal…
Was?
… da frage ich mich, ob ich das ein ganzes Berufsleben lang aushalte. Manchmal bin ich zu nah an Menschen dran, da geht alles zu tief, da werd‘ ich hinab gezogen, ein richtiger Sog entsteht da, und ich muss aufpassen, dass ich nicht im Strudel untergehe.
Fortsetzung folgt
DGKS Christine
Pflege in Österreich - 10. Okt, 21:36
