November Blues
Drei hintereinander folgende Wochenenddienste in der Ambulanz und fünf Tag-12er innerhalb der vergangenen Woche. Rotgeränderte Augen, von der trockenen Heizungsluft, die zur Frage herausfordern: Hast du geweint?!?
Der Frager wartet die Antwort nicht ab und schlurft weiter.
Fordernde, unzufriedene Patienten, die jede Behandlung in Frage stellen und aus Prinzip in der Notaufnahme erscheinen. Am Vormittag sind die Wartezeiten meist länger.
Grantige, aufgebrauchte Ärzte, die schon lang vergessen haben, weswegen sie diesen Beruf gewählt haben. Ein Samstagsdienst heißt, dass sie zwei Wochen durcharbeiten. Sie beneiden das Pflegepersonal um deren Dienstform.
Im Lift ein gerade zum-Vater-gewordener Mann, eingefallene Wangen, Drei-Tage-Bart, müder Blick. War wahrscheinlich eine anstrengende Geburt.
Eine kränkelnde Kollegin, die eigentlich ins Bett gehört, aber sich in die Arbeit schleppt, weil sie das Team nicht „hängen lassen“ will. Lieber steckt sie alle an.
Eine andere ist wirklich krank, sie fällt also für einen 12er und zwei Nachtdienste aus. Es ist mühsam, für diese Dienste einen Ersatz zu finden.
Am freien Tag, den ich so dringend gebraucht hätte, muss ich einspringen, dann stellt sich heraus, dass wenig los ist und ich kann um elf Uhr vormittags heimgehen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte in der Früh ausschlafen können.
Im Kühlschrank daheim nur abgelaufene Milch, zwei verschrumpelte Karotten und einige Käse-Ecken, aber einkaufen gehen freut mich nicht. Fertig-Pizza.
Ich überlege, ob ich als Schwester auf einem Kreuzfahrtsschiff anheuern soll. In der Karibik. Blöd nur, dass ich immer seekrank werde.
Auf der Station begegne ich KollegInnen mit dem Tunnelblick: gerade aus schauen, nur nicht zu viel wahrnehmen. Keine zusätzlichen Informationen, denn die haben nirgendwo Platz. Heimlich wünschen sie sich die Schweinegrippe, um der Anstalt fern bleiben zu können. Kein Wunder, dass sich so wenige dagegen impfen lassen.
Draußen scheint die Novembersonne. Eine Ärztin sagt: Diese Herbstsonne, das ist doch das Letzte!! Und dreht die Jalousien herunter. Sie fühlt sich geneppt von ihr, weil sie etwas vortäuscht, was sie nicht halten kann.
Gedanken sind frei, aber meine sind trüb und verhangen. Dem November angepasst. Leider scheint die Sonne durchs schlierige Fenster, weil ich die Jalousien wieder hochgezogen habe. Das ergibt irgendwie ein unstimmiges Bild.
Aber morgen -für morgen da ist richtig schlechtes Wetter angesagt. Kalter Wind und Regen bis Schneeregen.
Da passt dann wieder alles zusammen. Das Innere zum Äußeren.
Mich fröstelt.
DGKS Christine
Der Frager wartet die Antwort nicht ab und schlurft weiter.
Fordernde, unzufriedene Patienten, die jede Behandlung in Frage stellen und aus Prinzip in der Notaufnahme erscheinen. Am Vormittag sind die Wartezeiten meist länger.
Grantige, aufgebrauchte Ärzte, die schon lang vergessen haben, weswegen sie diesen Beruf gewählt haben. Ein Samstagsdienst heißt, dass sie zwei Wochen durcharbeiten. Sie beneiden das Pflegepersonal um deren Dienstform.
Im Lift ein gerade zum-Vater-gewordener Mann, eingefallene Wangen, Drei-Tage-Bart, müder Blick. War wahrscheinlich eine anstrengende Geburt.
Eine kränkelnde Kollegin, die eigentlich ins Bett gehört, aber sich in die Arbeit schleppt, weil sie das Team nicht „hängen lassen“ will. Lieber steckt sie alle an.
Eine andere ist wirklich krank, sie fällt also für einen 12er und zwei Nachtdienste aus. Es ist mühsam, für diese Dienste einen Ersatz zu finden.
Am freien Tag, den ich so dringend gebraucht hätte, muss ich einspringen, dann stellt sich heraus, dass wenig los ist und ich kann um elf Uhr vormittags heimgehen. Mir wäre lieber gewesen, ich hätte in der Früh ausschlafen können.
Im Kühlschrank daheim nur abgelaufene Milch, zwei verschrumpelte Karotten und einige Käse-Ecken, aber einkaufen gehen freut mich nicht. Fertig-Pizza.
Ich überlege, ob ich als Schwester auf einem Kreuzfahrtsschiff anheuern soll. In der Karibik. Blöd nur, dass ich immer seekrank werde.
Auf der Station begegne ich KollegInnen mit dem Tunnelblick: gerade aus schauen, nur nicht zu viel wahrnehmen. Keine zusätzlichen Informationen, denn die haben nirgendwo Platz. Heimlich wünschen sie sich die Schweinegrippe, um der Anstalt fern bleiben zu können. Kein Wunder, dass sich so wenige dagegen impfen lassen.
Draußen scheint die Novembersonne. Eine Ärztin sagt: Diese Herbstsonne, das ist doch das Letzte!! Und dreht die Jalousien herunter. Sie fühlt sich geneppt von ihr, weil sie etwas vortäuscht, was sie nicht halten kann.
Gedanken sind frei, aber meine sind trüb und verhangen. Dem November angepasst. Leider scheint die Sonne durchs schlierige Fenster, weil ich die Jalousien wieder hochgezogen habe. Das ergibt irgendwie ein unstimmiges Bild.
Aber morgen -für morgen da ist richtig schlechtes Wetter angesagt. Kalter Wind und Regen bis Schneeregen.
Da passt dann wieder alles zusammen. Das Innere zum Äußeren.
Mich fröstelt.
DGKS Christine
Pflege in Österreich - 5. Nov, 22:53
