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Aus meinem Ambulanztagebuch

Ein Samstag im Januar
Doktor Pille

„Notaufnahme, bitte schön?“
Es ist Samstag früh und draußen ein wunderbar klarer Januartag.
Hans – der Kollege, den ich vom Nachtdienst erlösen werde – ist froh, mich zu sehen und blinzelt mich müde an.
Wir sind mitten in der Dienstübergabe, als es läutet.
„…!“
„Bitte? worum geht’s denn?“
Die Ruf-Sprech-Anlage, die über das Dect-Handy läuft, funktioniert meistens – der Besucher muss allerdings genau davor stehen und in die Box sprechen.
„... Schmerzen ... mein Fuß ... Arzt anschauen lassen ...“
„Ja, ich komme gleich. Füllen Sie bitte in der Zwischenzeit das Patienten-Datenblatt aus.“

Sie wollen sich immer alles „anschauen“ lassen, die Menschen, die zu uns kommen. Am liebsten mit so einem Scanner, wie ihn Doktor McCoy „Pille“ im Raumschiff Enterprise herumträgt. Das täte nicht weh und ginge ruck zuck. Ergäbe eine exakte Diagnose und gleich die nötige Behandlung dazu.
Die Menschen, die zu uns kommen, sind nicht immer geheilt, wenn sie wieder hinausgehen, wollen nicht glauben, dass ihre Symptome keiner spezielleren Abklärung oder Behandlung bedürfen, verstehen nicht, dass ihr „Fall“ jetzt in der Notaufnahme so schnell abgehandelt wird. Sie wollen den exakten Namen für etwas wissen, von dem sie annehmen, dass es etwas Besonderes ist, weil SIE es haben, hätten gern nach einer tieferen Wahrheit geschürft.
Aber der Arzt hier ist weder Doktor Pille noch ist er ein Wahrheitsfinder.
Er kann sein Wissen, seine Erfahrung einbringen, manchmal seine Intuition, er kann Untersuchungen veranlassen oder durchführen – aber die absolute Gewissheit gibt es letztendlich nicht. Zumindest nicht auf DIESEM Raumschiff.

Ob sich noch eine Tasse Kaffee ausgeht?
Der Kollege verabschiedet sich, sein Freitags-Nachtdienst war unruhig, irgendwo gab’s ein größeres Fest, es ist ja jetzt Ballsaison, da steigt die Verletzungsgefahr überproportional an. Alkohol, Raufereien, Drogen, und immer wieder Alkohol. Damit lässt sich hervorragend die innere Leere zuschütten. Und die Hemmschwelle sinkt stetig.
Irgendwo findet immer ein Fest statt.

Schon wieder das Dect-Handy.
„ Notaufnahme, bitte schön?“
Die helle Stimme einer Frau. Sie hat sich in den Finger geschnitten.
„Ich komme gleich.“

Notfalltropfen
8.10 Uhr
Das Rote Kreuz (die Sanitäter werden von uns liebevoll „Kreuz-Ritter“ genannt) bringen die Teilnehmer eines Autounfalls. Zwei Frauen - die eine hat gebremst, die andere, mit drei kleinen Kindern im Fond, ist ihr aufgefahren. Die eine Dame kommt liegend, obenauf sitzen zwei ihrer Kinder, mit blassen Gesichtern, die Augen groß vom nicht Fassbaren.
Uff. Daten aufnehmen, Blutdruck messen, reden, beruhigen, erklären, zuhören. Die beiden Frauen kriegen ein Schmerzmittel und sollen geröntgt werden von der Halswirbelsäule bis zum Becken. In der Zwischenzeit hat der Schreck bei den beiden Kleinsten die Hirnwindungen erreicht und sie plärren um die Wette. Die Dreijährige hat freche Zöpfchen und lässt sich zumindest vorübergehend mit einem alten Trick trösten: Gummihandschuh aufblasen, Gesicht draufmalen, fertig. Das geht schnell - mit ein bisschen Übung - und kommt bei den Jüngsten gut an.
Die Neunjährige ziert nur eine Abschürfung im Gesicht, sie zittert am ganzen Körper, hängt wie eine Klette am Arm der Mutter, will sich nicht hinlegen. Das verstehe ich - im Liegen ist man der Umwelt extrem ausgeliefert.
Jetzt ist die Zeit für ‚Notfalltropfen‘.
Bachblüten. Schon allein der Name hat etwas Beruhigendes.
DGKS Christine

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Heute war ich das erste Mal selbst bei einem Physiotherpeuten....
Pflege in Österreich - 5. Jan, 18:19
Splitt * splatt
Tage kommen im Nachtdienst jetzt kalt daher. Anhängliche...
rudolf33a - 3. Jan, 19:41
hallo Seraphin,
danke! aber - willst du nicht mitschreiben?? LG, christine
christine (Gast) - 1. Jan, 19:06
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christine (Gast) - 1. Jan, 18:57
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Seraphin (Gast) - 1. Jan, 18:48

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