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Geschlechtssensible Pflege ein Thema?

Als Selbständige muss man seine Angebote ja laufend weiter entwickeln. Dazu brauchts regelmäßiges Innehalten, nachschauen was angenommen wird, was keinen interessiert, darüber nachdenken warum das eine genommen wird und das andere sichtlich kein Thema ist.

Ich hab Seminare im Angebot, die werden super gekauft. Und dann gibts Seminare, die hab ich nur noch im Angebot weil sie MIR so wichtig wären...und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß doch vielleicht irgendwann jemand sagt: Das ist genaus das, was ich wollte.

Als Selbständige ist es wichtig immer wieder Neues zu entwickeln und dabei zu hoffen, daß man ein Thema aufgreift, das eben dann irgendwann interessiert und - richtig!- gekauft wird.

Im Moment frag ich mich, ob das Thema "Geschlecht" in der Pflege eine Rolle spielt. Naja, eine Rolle spielt es sicher, ABER sehen das auch die Pflegeleitungen und PflegekollegInnen so.

Ich vermute ja, daß wir hier blinde Flecken haben und zwar gewaltige blinde Flecken. Wann immer ich die Gelegenheit habe mir Pflegedokumentationen anzusehen, fällt mir auf, daß die Lebensaktivität "Als Mann/ Frau leben" kaum ausgefüllt ist. Übrigens- man findet hierzu auch keine Fachliteratur!
Gähnende Leere also. Warum nur?

Was hat es mit dieser Lebensaktivität auf sich, daß wir hier nix zu sagen oder zu erheben haben?
Derzeit überlege ich mir hierzu ein Seminar zu entwickeln. Nur- interessiert das dann jemanden? Hmmm.....

Was sagt Ihr dazu? Thema ja oder nein? Was fällt euch bei dieser Lebensaktivität leicht, was schwer? Könnt ihr damit überhaupt was anfangen? Oder denkt ihr euch: Wir haben echt andere Sorgen!

Für Euer Feedback wäre ich euch sehr dankbar!

Grüße
Sonja, DGKS
Blitzi - 8. Okt, 13:59

Ich denke schon, daß dies ein wichtiges Thema ist. Gut, nun bin ich noch nicht so alt, als das ich auf Pflege angewiesen wäre, aber jünger werden wir ja alle nicht und irgendwann betrifft uns das Thema sicherlich auch. Den einen vielleicht mehr, den anderen weniger, trotzdem finde ich es wichtig. Was mir da so ganz spontan einfällt ist das Thema Waschen /Körperpflege. Es gibt Männer als auch Frauen, die möchten (aus Scharm und vielleicht auch anderen Gründen) nicht von jemandem der andersgeschlechtlich ist gewaschen oder gebadet werden. Wie geht die Pflege darauf ein? Ich weiß noch, bei meiner Oma damals im Heim war das ein dickes Problem.
Lg
Blitzi

christine (Gast) - 10. Okt, 21:21

Ein heißes Eisen...

...als Pflegende hat man oft Angst, jemandem zu nahe zu treten (ich bin beim Pflegeanamnesegespräch öfters darauf angesprochen worden, was mich das jetzt angeht...)
Und, du hast Recht: keine Literatur.
Ob das Thema für die Pflege relevant ist? Ich denke schon, aber wir haben es uns so "eingerichtet", dass diesbzgl. nicht zu viele Fragen aufgeworfen werden.
Viele weibliche Patienten lassen sich ja gern von einem Pfleger waschen, in der Ambulanz frage ich männliche Patienten immer, ob es ihnen unangenehm ist, wenn ICH ihnen das Clysmol gebe... die meisten haben damit kein Problem, und wenn, dann gibt es Alternativen. Meistens.

Ob sich mit der Genderforschung da etwas ändern wird...?

LG, Christine

rudolf33a - 11. Okt, 13:45

Einige Beobachtungen aus dem Berufsleben.

Einige Beobachtungen aus dem Berufsleben.
Das erstemal als ich Hr. Klein(Name frei erfunden) pflegte und ich sein Geschlechtsteil gewaschen habe, hat er zu mir gesagt:"Das gefällt dir du Schwuler?" Da merkte ich wie Vorurteile(männliche Pfleger sind sowieso schwul) Menschen prägen. Na das ist mir in den Bauch gefahren. Natürlich hab ich mich sofort abgegrenzt.
Immer wieder merke ich, wie Frauen nach männlichen Kollegen Ausschau halten.
Eine Bewohnerin läßt nur weibliche Pflegerinnen zu sich....

Sonja (Gast) - 1. Nov, 19:47

Sehr interessant....

dein Beispiel mit dem Mann und dem Sager "du Schwuler". An so eine Situation habe ich noch nie gedacht!!!
Sonja, DGKS
Pflege in Österreich - 13. Okt, 11:46

Danke für die Rückmeldungen

Also ist es ein Thema? Für mich sowieso. ich muss oft dran denken, daß in den Heimen Frauen leben, deren Mann oft schon 20 Jahre tot ist und die 20 Jahre niemand mehr im Arm gehalten hat.
Außerdem beschäftigt es mich, ob wir Frauen eigentlich nach ihren Kriegserfahrungen fragen......oder nur die Männer....

Die Frage noch an Euch: Würdet Ihr ein Seminar dazu besuchen???? Ganz ehrlich.....

Grüße
Sonja

christine (Gast) - 13. Okt, 21:46

Mann/Frau sein

Ich würde das Seminar besuchen, wenn es einen guten Titel hat, also nicht zu allgemein ist, sondern auf etwas Bestimmtes zielt.
Zu den Kriegserfahrungen: Männer haben ihn oft nur als Soldat erlebt, Frauen erleben Kriege auf vielen Ebenen, denke ich. Drum kann eine Frau über etwas berichten, was nicht unmittelbar mit Bomben und Luftschutzkeller zu tun hat - und sie berichtet trotzdem über den Krieg.
Meine Mutter z.B. erzählt oft und gern etwas aus dieser Zeit, die sie als junges Mädchen erlebt hat...

Gruß, Christine
rudolf33a - 1. Nov, 20:19

Intimpflege ist eine Sache der Berührung. Dort wo ich merke ich überschreite die Grenze, da geb ich mir und dem Bewohner Zeit der Überwindung - was allerdings ein Problem sein kann ist die Gefahr von Unsauberkeit - das ist oft eine sehr enge Gratwanderung. Gerade in einem gut funktionierendem Team muß es Möglich sein darüber zu sprechen und sich auszutauschen wer mit wem wie gut kann.
Die Überschreitung der Grenzen führt oft zu noch mehr Rückzug für den Bewohner. Die "Nicht-pflege" birgt die Gefahr einer Infektion.
Ob ich ein Seminar beuchen würde ? Eher in Form einer Arbeitsgruppe.
L.G.Rudolf.
Eskorte fragile - 25. Okt, 01:41

das thema ist - denke ich - noch immer ein tabu-thema. das ist sexualität an sich und alles, was annähernd damit zu tun hat auch. und nur, weil heute angeblich so "offen" damit umgegangen wird, heißt das noch gar nix, sondern beweist mir eher, das wir tabus verschoben, aber nicht gebrochen haben.

als pflegepersonal hat man in gewisser weise eine machtposition inne, weil du zu einem großen teil mit menschen zu tun hast, die sehr angewiesen sind auf diese hilfe. und ich denke, da haben wir gleich das nächste tabu: den machtmißbrauch, den es auf vielerlei ebenen geben kann - auch im sexuellen bereich.

und die frage, die als nächstes kommt ist die nach der effektivität. würdest du als heimleitung gelder für weiterbildungen deines personal bereit stellen, wenn du weißt, dass du in der praxis gar keine möglichkeiten hast, das auch zu realisieren? wieviel oder wie wenig zeit hat pflegepersonal wirklich für einen einzelnen... die antwort kannst du hier mehrere male lesen. und auch darüber, dass das personal vor allem an der "satt-sauber-still"-notversorgung leidet, ebenso wie die zu pflegenden und das menschliche oft zu kurz kommt.

ich weiß ja nichts genaueres über die ideen, die du dazu hattest bzw. über direkte angebote, die du vorstellst, kann man das irgendwo nachlesen?

denke, wenn genderbezogen, dann eher direkt in richtung tabu steuern und das kind beim namen und dabei eher in richtung hilfestellung für das personal, als für den patienten... auch wenn ich denke, das eine würde dabei oft das andere bessern.

liebe grüße
eve

Guest (Gast) - 28. Okt, 00:00

Eigentlich nicht...

Ich muss ehrlich sagen, dass ich so ein Seminar nicht besuchen würde. Was würdest du uns den erzählen?
Ich glaube, dass jeder von uns weiß wie früher die Rollen des Mannes und der Frau verteilt waren und wie die Entwicklung weiterging.

aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass dir Menschen ob im SWH od KH.... nur etwas persönliches erzählen - wenn sie Vertrauen in dich gewonnen haben. Und wenn das der Fall ist erzählen auch Frauen über ihre Kriegserlebnisse oder wie sie eben in dieser Zeit gelebt hat.
Deswegen erhebe ich diesen Punkt bei der Anamnese auch nicht. Ich denke mir: was haben wir für ein Recht die Pat. so persönliche Dinge zu fragen(und das am 1. oder 2. Tag, wo wir sie noch gar nicht richtig kennen) - und sie antworten vielleicht nur aus Angst sonst keine so gute Behandlung/Pflege zu bekommen..(hoffe man versteht was ich meine)
Auch hier kann ich aus persönlichen Erfahrung sagen, dass Menschen die ein Problem in dieser Hinsicht haben, ob Einsamkeit, verminderte Lust, verminderte Errektion......dieses bei Gesprächen mit uns sehr wohl angesprochen wird.

wenn man während seiner Arbeit am und mit dem Pat./Bew. auf ihn eingeht und nicht nur über oberflächliche Dinge spricht, öffnen sich die Menschen und erzählen sehr viel über sich.

Meine Meinung. Aber vielleicht haben doch sehr viele PP interesse daran. :) wünsch dir trotzdem viel Erfolg
LG Guest

Tina (Gast) - 30. Okt, 14:00

Hallo, ich finde auch,

dass man hier etwas anbieten müsste, wo das pflegepersonal eine art hilfestellung erfährt. ich selber weiß oft nicht so recht, wie ich fragen an die patienten zum thema "sexualität" formulieren soll, und ob ich überhaupt das recht dazu habe. ich glaube auch, dass nicht jedes tabu gebrochen werden, muss, dass menschen tabus wahrscheinlich sogar brauchen.
gruß, tina
Sonja (Gast) - 1. Nov, 19:45

Danke für die Rückmeldungen

Aus meiner Sicht besteht ein Unterschied, ob jemand akut im Krankenhaus aufgenommen wird - in diesem Fall kann man, je nach Diagnose, die LA "Als Mann/ Frau leben" eher vernachlässigen- oder ob jemand ins Seniorenheim übersiedelt und dort jetzt leben wird. Obwohl, ich sag zu meinem Mann immer, daß er, sollte ich jemals im Krankenhaus liegen und mir nicht selber helfen können, mir bitte regelmäßig meinen Damenbart abmacht...denn ich hasse es wenn er spriesst und fühl mich dann als Frau einfach entsetzlich! Menschen, die ins Altenheim einziehen, müssen nicht am ersten oder zweiten Tag zu "Als Mann/ Frau leben" befragt werden...das kann in intimen Gesprächen, doch im Laufe der Zeit erhoben werden. Sexualität ist aus meiner Sicht im Übrigen nicht das einzige Thema bei dieser LA!! Für mich ist es immer wichtig bei alten Frauen darauf hinzuweisen, daß viele von ihnen seit 20 Jahren und mehr Witwen sind und sie oft über Jahre keine Berührungen hatten. Ich denke das zu wissen ist etwa wichtig für die Pflege.

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